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In den besten Freund verknallt

Tobias, 20 Jahre, Zivildienstleistender

Chris: Seit wann weißt Du, daß Du auf Jungs stehst?

Tobias: Mit 17 Jahren habe ich mich in meinen besten Freund verknallt, total süß, aber der war absolut hetero. Zuerst bin ich damit überhaupt nicht zurechtgekommen und habe ich mir eingeredet, dass ich mich wahrscheinlich nur in diesen einen Jungen verliebt habe, aber sonst auch auf Mädchen stehe.

Chris: Hast Du Deinem Freund von Deiner Liebe für ihn erzählt?

Tobias: Ja, zuerst hat er auch sehr verständnisvoll darauf reagiert, aber dann hat er doch den Kontakt abgebrochen.

Chris: Wie bist Du damit umgegangen?

Tobias: Da ich mehreren Freunden erzählt hatte, dass ich mich in ihn verknallt habe, fragte mich eine gute Freundin, was mit mir los sei. Darauf hin hat sie sich erkundigt und mich zu einer lesbischwulen Jugendgruppe in meiner Stadt geschleppt. Dort habe ich viele neue Leute kennengelernt, von denen heute einige gute Freunde sind.

Chris: Wann kam es dann zu Deiner ersten Beziehung?

Tobias: Nach einem halben Jahr habe ich dann David kennengelernt. Bei ihm wußte ich sofort, den oder keinen! Die Schmetterlinge in meinen Bauch sind Loopings geflogen. Leider habe ich mich nicht getraut ihn anzusprechen. Ich war einfach zu schüchtern.

Chris: Und wie ging es dann weiter?

Tobias: Auf einer Fete habe ich ihn dann wieder gesehen. Wir sind ins Gespräch gekommen. Er war toll. Am Ende des Abends haben wir dann unsere Telefonnummern ausgetauscht. Ab dann haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Ich fühlte mich in seiner Gegenwart einfach toll. Aber erst einen Monat später hab ich mich getraut meinen Arm um ihn zu legen. Wir haben uns beide sehr viel Zeit gelassen. An einem gewissen Mittwochabend hatten wir uns mit einem weiteren Freund bei mir verabredet. Eigentlich wollten wir nach Kiel gehen, sind dann aber bei mir hängengeblieben. Am späteren Abend hat sich dann mein Freund verabschiedet und ich war mit David allein. Dieser hat sich dann auch direkt an mich geschmiegt und ich an ihn. An diesem Abend haben wir noch lange rumgeschmust, uns gegenseitig gestreichelt und geküßt, sonst ist aber nichts weiter passiert.

Chris: Dabei ist es aber nicht geblieben?

Tobias: Am nächsten Tag bin ich dann zu ihm gefahren. Alles war sehr verklemmt. Zwei Stunden lang haben wir weit weg voneinander gesessen, Fernsehen geschaut und kaum ein Wort miteinander gesprochen. Mein Puls war auf 180. Ich war total nervös. Dann hat er irgendwann seinen Arm um mich gelegt und das Eis war gebrochen. Es war schön ihn so nah bei mir zu spüren. Wir haben uns gegenseitig ausgezogen und den Abend gemeinsam im Bett verbracht.

Chris: Wie denkst Du heute daran zurück?

Tobias: Es war ein sehr schönes Erlebnis. Am Tag danach bin ich den ganzen Tag durch die Gegend gelaufen und hätte am liebsten der ganzen Welt erzählt, was passiert war. Leute die mich kannten, haben es mir wohl auch angesehen.

Chris: Seit wann lebst Du nun auch offen schwul?

Tobias: Vor zwei Wochen habe ich mich nun auch meinen Eltern gegenüber geoutet". Als mein Freund bei mir übernachtet hat, ist meine Mutter wohl dahinter gestiegen. Vielleicht hat sie aber auch schon länger etwas geahnt. Jedenfalls hat sie eine Menge Fragen gestellt. Auch wenn es mir zunächst schwer gefallen ist, hab ich es ihr dann erzählt.

Chris: Wie sind Deine Eltern damit umgegangen?

Tobias: Zuerst hat sie es versucht zu ignorieren. Aber sonst ist das Verhältnis zwischen uns genau so wie vorher geblieben. Mit meinem Vater ist es so ähnlich.

Chris: Wann sagst Du den Leuten mit denen Du zu tun hast, daß Du schwul bist?

Tobias: Zuerst einmal mag ich das Wort schwul" nicht, weil es so festgelegt klingt. Den meisten habe ich es erzählt, als sich in einem Gespräch ergeben hat oder wenn sie mich danach gefragt haben.

Chris: Danke

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